Porträt „Judge Dread“

Judge Dread hat in seiner musikalischen Laufbahn eine Vielzahl an Alben und Singels herausgebracht. Jeder der sich mit dem Thema Skinhead, bzw. mit dem Thema Ska und Reggae auseinander gesetzt hat, wird über diesen Namen schon gestolpert sein. Diejenigen, die ihn nicht kennen, wird Judge Dread und seine Musik hier einmal vorgestellt. Für alle, die ihn kennen, bzw. kennen lernen durften, ist es ein kleines Porträt um sich an ihn zu erinnern.

Judge Dread hieß mit bürgerlichem Namen Alexander Minto Hughes. Geboren wurde er am 02. Mai 1945 in Kent, England. Gestorben ist er am 13. März 1998 in Canterbury, England.

Judge Dread war der erste weiße Reggae Interpret, welcher einen Hit in der Heimat des Reggaes, Jamaika, hatte. Ebenso war er der erste weiße Musiker, welcher bei dem britischen Label Trojan Rec. Einen Vertrag bekam. Seine Texte zeichneten sich durch eine extreme Freizügigkeit aus, sowie einen sehr freien und ironischen Umgang mit Sexualität aus. Dies hatte für ihn den Nachteil, dass die BBC seine Musik trotz Chartplazierung nicht im Radio spielte. Die Single „Big Six“ wurde in Jamaika ohne ein Bild von Judge Dread veröffentlicht, da man einem weißen Mann nicht zutraute, Reggaemusik zu spielen.

In seiner Jugend zog Alexander Minto Hughes in einen Stadtteil von Brixton. Hier lebten auch die ersten schwarzen Einwanderer aus Jamaika. Alexander entwickelte hier seine Vorliebe für karibische Klänge und lernte durch die Rude Boys Ska und Reggae kennen. Rude Boys schlossen sich zumeist in Gangs zusammen, und hörten „ihre“ Musik. Nach und nach mischten sich weiße Jugendliche unter die Rude Boys Gangs und so erreichte auch sie Ska und Reggae. In den 1960er Jahren adaptierte eine neue Subkultur die Musik der Schwarzen für sich. Die Skinheads. Alexander Minto Hughes alias Judge Dread wurde mit der Zeit eine der bekannteste und abstruseste Persönlichkeit der damaligen Skinhead Szene.

Alexander Minto Hughes beendete mit 15 die Schule und arbeitete anschließend in einer Fabrik, welche Cricketschläger herstellte. Später trat er eine Tätigkeit als Hotelangestellter in einem Beach Hotel an. Hier war er für die Fütterung und Pflege von Krokodilen, welche dem Hotel gehörten, betraut. Im Alter von 22 Jahren begann Alexander Minto Hughes eine „Kariere“ als Catcher unter dem Namen „The Masked Executioner“. Darauf folgten Tätigkeiten als Schuldeneintreiber für sein späteres Label Trojan Rec. und Anstellungen als Band Roadie, Rausschmeißer und Türsteher. Letztere Tätigkeiten waren im Londoner Club „The Brixton`s Ram Jam Club“. Hier fungierte er später als persönlicher Leibwächter von Prince Buster, Desmond Dekker, Derick Morgen, Coxsone Dodd, Duke Reid, dem Maharadscha von Jaipur und den Rolling Stones. Zeitweise arbeitete DJ und Sänger ohne Band in verschiedenen Clubs und er zog mit einer mobilen Disko durch die Dörfer und Kleinstädte der englischen Grafschaft Kent.

Die Ska Ikone Prince Buster gab Alexander Minto Hughes den Anstoß, als Ska und Reggae Musiker los zu legen und er eröffnete Hughes ebenfalls den Zugang zum Platten Label Trojan Records. Alexander Minto Hughes gab sich selber daraufhin den Künstlernamen "Judge Dread" nach dem gleichnamigen Song von Prince Buster. So honorierte er Prince Buster für dessen Hilfe beim Einstieg in das Musikbusiness.

Die Zweideutigkeit seiner Texte übertraf bei weitem die üblichen sexuellen Anspielungen der schwarzen Ska und Reggae Bands oder auch DJ's. Seine Songs zeichneten sich durch konktete, schmutzige, schlüpfrige und pornografische Ausdrucksweisen aus. Das sorgte dafür, dass Judge Dread Zeit seines Lebens der Zugang zu den öffentlichen Medien in England versperrt blieb. Er galt als Sittenstrolch bzw. sogar als Sittlichkeitsverbrecher No. 1, laut den englischen Medien. Zum Schutze der Jugend wurde seine Musik nicht öffentlich gesendet. Selbst ein häufiger Wechsel seines Künstlernamens und seines Labels half nichts. Allerdings brachte Judge Dread dies einen Eintrag in das Guinness Buch der Rekorde ein. "Künstler mit den am meisten von der BBC gesperrten Songs aller Zeiten" Aber gerade diese Art von Umgang mit dem Thema Sexualität gemischt mit dem klassischen britischen Humor ist bis heute in der Ska und Reggae Szene beliebt und gewollt. Trotz der Verbote veröffentlichte Judge Dread mehr Ska und Reggae Hits in UK als jeder andere Künstler.

Als das Trojan Label 1975 Konkurs ging, kaufte Judge Dread seine eigenen Plattenrechte auf.

Bereits 1973, also 12 Jahre vor Band Aid veranstaltete Judge Dread Benefizkonzerte für die hungernden Menschen in Äthiopien. Dafür würde er zum Ehrenbürger von Äthiopien ernannt.

In der englischen Musikzeitschrift "Disc" unterhielt Judge Dread eine regelmäßige Kolumne über Reggae Musik.

Judge Dread starb, wie ein echter Musiker sterben möchte. Nach seinem letzten Konzert im Penny Theatre in Canterbury erlitt er beim verlassen der Bühne einen Herzanfall, an dem er verstarb. Judge Dread wurde 52 Jahre alt.

Alter Dread, du hast uns zahlos vielen Alben und Songs hinterlassen. Dafür danke ich dir. Deine Platten werden sich ewig auf meinem Plattenteller drehen. Danke dafür und R.I.F.

Tobi Wischnewski