Interview mit Smart Attitude vom 08.03.2020

Moin Moin Smart Attitude, vielen Dank, dass ihr euch für ein kleines Interview die Zeit nehmt. Dann fangen wir gleich mal an. Stellt euch doch bitte einmal vor. Wer ist Smart Attitude, was macht ihr so beruflich und habt ihr noch andere Hobbys neben der Musik.

Ahoi, wir sind smart attitude aus Halle an der Saale, spielen simple Punkrock Singalongs und sind ein klassisches Dreiergespann: Franzi zupft, Jensi knüppelt und ich schrubbe. Das klassische Hobby ist bei uns allen wohl wirklich vor allem die Musik. Jensi singt bei seiner Hauptband 51 Grad, ich lege ab und zu auf ... nur Franzi schlägt dahingehend quer und hat seit einiger Zeit ihre Leidenschaft für Krav Maga entdeckt.

2008 ist das Gründungsjahr eurer Band. Gab es in dieser Zeit Umbesetzungen? Oder gab es einen Zeitpunkt wo ihr aufhören wolltet?

Beides positiv.

Ihr habt ja schon ein paar Veröffentlichungen von Tonträgern. 2012 das Tape "Up Yours" und die 7 Inch "Ein Leben lang/Trautes Heim", welche ein self release war, 2016 die 7 Inch "Stolz&Frei/Keine Angst" und 2018 die "Punkrockmolotowcocktail". Wer von euch schreibt die Texte und komponiert die Lieder? Trägt jeder etwas dazu bei, oder macht es einer? Plant ihr in näherer Zukunft einen Longplayer? Laufen evtl. schon die Arbeiten dazu?

"Up Yours" hieß das Label aus Aachen, das Tape selbst hat meines Wissens keinen offiziellen Namen. Wobei das schon ein passender Titel wäre, haha. Größtenteils gehen die Songs zwar auf mein Konto, aber innheralb der Band entsteht dann natürlich das letztendliche Resultat. Allerdings sind wir langsam. Zudem habe ich an Songs einen verdammt hohen Anspruch, vor allem in textlicher Hinsicht ... wobei das natürlich Ansichtssache ist, ähem. Jedenfalls wird ein Vollalbum wohl noch lange auf sich warten lassen. Finde das auch nicht schlimm, zwei bis vier ordentliche Kracher auf einer kleinen Vinylscheibe sind mir in der ohnehin übersättigten Musiklandschaft sowieso lieber. Weniger ist mehr, sozusagen.

Ihr habt ja schon einige Konzerte in eurer Bandlaufbahn zu verzeichnen. Gibt es da vielleicht ein paar Anekdoten von besonders guten oder auch besonders schlechten oder auch skurrilen Erlebnissen/Konzerten?

Du meinst Sex, Drugs und Rock'n'Roll? Streitereien, verwüstete Hotelzimmer, blutige Nasen? Ach, für solche Sperenzchen sind wir viel zu brav. Klar, hinter den Kulissen gab's schon hin und wieder stressige Momente ... aber wir haben einfach das verdammte Glück, größtenteils mit Veranstaltern und Bands, die weder abgehoben, noch hinter schnöden Mammon her sind.

Wie sehen eure Planungen für 2020 aus? Stehen da schon Konzert Termine, und wenn ja wo?

Lässt sich ja leider momentan schwer sagen, wann es überhaupt wieder mit Livekonzerten weitergehen wird. Wir hoffen, dass sich die Lage spätestens gen Ende des Jahres wieder entspannt hat.

Gibt es Bands, mit denen ihr unbedingt einmal auftreten wollte, bzw.Orte wo ihr gerne mal spielen wollt?

Templars und Clichés wären meine Favoriten. Sind die beiden einzigen Skinhead-Bands abseits der Klassiker aus den 80ern, die mich auch heute noch begleiten. Wir alle würden aber unheimlich gerne mal mit The Planet Smashers zusammenspielen. Müssen letztendlich auch gar keine Big Names sein. Wir machen das nicht, um uns zu etablieren. Oi! it's fun. Treten deshalb immer wieder gerne mit befreundeteten Bands auf wie The Suburbs und Arthur & The Spooners aus Berlin, East End Chaos aus Löbau, Shandy aus Australien.

Grauzone. Was haltet ihr von dieser Diskussion? Wo seht ihr euch selber? Werdet ihr in irgendeine Schublade gesteckt? Habt ihr überhaupt Lust, über dieses Thema zu reden?

Die Diskussion ist durchaus wichtig. Die Art und Weise, wie sie in einigen Kreisen geführt wird und wurde, entbehrt jedoch nicht einer gewissen Hypokrisie: einerseits möchte man doch einer Demagogie in der Szene - wie auch allgemein im Leben - keinen Nährboden liefern, andererseits wird gerade jungen Maltchicks durch eventuelle Repressionen die Möglichkeit geraubt, sich selbst Meinungen zu bilden. Wenn mir die Aussagen der Band XYZ, das Publikum oder einfach nur das im Club ausgeschenkte Bier nicht schmeckt, hab ich alle Freiheit der Welt, besagte Dinge zu meiden. Das muss mir keiner vorschreiben. Andererseits gehören eben auch Fakten zu einem Urteil. Oft wird das allerdings mit der eigenen, durchaus auch fragwürdigen Agenda vermischt. Im Zweifelsfall wird eine Band, ein Club oder eine Person gebrandmarkt, nur weil sie einem persönlich nicht passt. Das hat im Punkrock nichts zu suchen!

Hier habt ihr nun Platz für eigene Worte, Anmerkungen, Grüße oder Küsse.

Support Your local scene! Das sollte selbstverständlich sein, isses aber leider nicht. Nachwuchs wird rar. Dabei gibt es viele Möglichkeiten, sich einzubringen: ob als Band, Veranstalter, Fanziner oder Blogger wie Du selbst oder auch einfach mal an der Bar aushelfen, Einlass machen oder nach der Show aufräumen. Unterstützt kleine Labels (schaut mal bei Stelltown Records vorbei) und lasst Drecksfirmen wie Amazon links liegen. Und vor allem: geht auf Konzerte! Nichts kann einen Live-Gig ersetzen, nur dort gibt's den PunkRockMolotowCocktail hautnah zu erleben.

Vielen Dank für das Interview, und man sieht sich auf dem nächsten Konzert. 

Tobi Wischnewski