Moin moin Brutal Bravo. Vielen Dank das ihr euch die Zeit für ein Interview genommen habt. Zum Anfang könnt ihr euch ja einmal vorstellen. Wer seid ihr, woher kommt ihr und was macht ihr so beruflich? Habt ihr noch Hobbys neben der Musik?

Salut, wir sind zwei Hauptschüler und zwei Gymnasiasten, die alle trotz Punkmusik einigermaßen durchs Leben kommen. Wir kommen allesamt aus Freiburg, wenn auch nicht mehr wohnhaft, und machen sehr viel neben der Musik, weshalb wir auch nicht auf Tour gehen oder jedes Wochenende durch die Weltgeschichte ballern wollen. Achso, Beispiele sind Kindererziehung, Fahrradfahren, Mopedfahren, die Scheune renovieren, Saufen und solche Szenesachen.

Die beiden 7 Inches von 2017 und 2018 sowie die Split mit The Lads von 2019 waren meines Erachtens ein riesiger Szeneerfolg. Plant ihr für 2020 einen Longplayer?

Da wir höchstens vier Mal im Jahr proben, kommen wir eigentlich nie zu mehr als 4 Songs in einem Jahr. Das ist auch gut so, weil man auf diese Weise sehr viele Schallplatten machen kann. Ich schätze, unser nun doch steigender Bekanntheitsgrad könnte auch daher kommen, dass wir dadurch kontinuierlich im Gespräch bleiben. Wer weiß? Vielleicht kommt dann eine LP irgendwann, aber durch die 12er Split haben wir uns das Format ja schon erfüllt. Es gibt zwar Überlegungen, aber keine konkreten Pläne.

Eure Musik erinnert mich stark an 80er Oi! Mir gefällt dieser Sound sehr gut, und es freut mich umso mehr, daß er wieder aufgegriffen wurde. Wer oder was beeinflußt euch als Band, bzw. euch als einzelne Personen?

Die Einflüsse sind ja recht offensichtlich, wenn man sich die insgesamt sehr einfach gehaltenen Songs so anhört. Das reicht von Exploited über Bonecrusher zu Oxymoron, Blitz, Templars, Camera Silens und weiß der Geier. Das kann man so ja nicht wirklich einfach benennen. Wir befinden uns persönlich und als Band irgendwo zwischen Nietenkaisern und Protoskins – meistens, oft. Das mit dem 80er Ding hängt natürlich auch damit zusammen, dass man gerade in Skinheadkreisen ja nur Dinge gut finden darf, die irgendwie nach 80er klingen. Daher müssen die ganzen Leute ja sagen, dass wir wie 80er klingen, damit die anderen einen nicht auslachen und einen noch für einen sehr authentischen Superskinhead halten, der mindestens 10000 Schallplatten hat, 20 oder länger Jahre dabei ist und daher als unanfechtbare Autorität in jeder Lebenslage gilt.

Eure Werke gibt es auf Vinyl und in der Regel mit Download oder auch zum Streamen bei Spotify. Seht ihr von einer CD Produktion ab, oder ist da etwas an mir vorbei gegangen? Wie steht ihr zu den Streamingdiensten? Ist es ein nötiges Übel oder einfach ein Teil der heutigen Art und Weise Musik zu konsumieren? Ich selber bin Vinyl - Junkie, habe aber natürlich auch CD's

Wenn man sich die Sub-Sub-Subkultur ansieht, in der wir uns befinden, dann sind die meisten ja eh wesentlich Musik-Nerds und das attraktivste und langlebigste Format für Musik ist schlicht die Schallplatte. Die Vorteile einer Schallplatte gegenüber MP3s ist natürlich das ganze Artwork, in das wir auch viel Arbeit und Liebe stecken und das als Gesamtpaket den Eindruck einer Band mitbestimmt. Ein wenig fremd sind diese Streamingdiensten, weil keiner von uns Spotify o.Ä. benutzt, aber es gab so viele Anfragen, ob das möglich sei, daher haben wir es irgendwann gemacht. Das ging dann natürlich erstmal in die Hose, weil IRGENDJEMAND Tippfehler eingebaut hat, die man nur sehr schwer wieder revidieren kann. Ich – also Valle – bin da skeptisch, weil ich den Charme einer Subkultur auch darin sehe, sich jenseits großer Medien mit Musik auseinanderzusetzen. Man muss sich ein bisschen umsehen, Labels verfolgen, Bands entdecken und so weiter, es bedarf schon etwas mehr Aufwand und Herzblut als einen Spotifyaccount anzumelden. Durch Spotify erhält man außerdem nur eine Auswahl derjenigen, die bereit sind nach deren Spielregen zu spielen. Ein Monopol, worauf ein solches Format wie Spotify zwangsläufig abzielt, wäre ein Desaster für Musikkultur und Subkultur. Außerdem kann man jetzt schon beobachten, wie sich Musik verändert, aufgrund des Userverhaltens, das sich aus diesen Portalen auslesen lässt – auch wenn das noch wesentlich kommerzielle Musik betrifft. Ich bin sehr gespannt, wie sich das entwickelt. Vielleicht liegt dort ja auch eine Chance für neue Subkultur fern solcher Portale?

Ihr seid ja viel unterwegs. Bekommt man da Arbeit, Familie und Band gut unter einen Hut? Habt ihr ein paar Anekdoten von besonders guten oder auch besonders schlechten Gigs? Kurz nach dem Erscheinen der Split mit The Lads haben sich diese ja im Januar 2020 aufgelöst. Habt ihr evtl. ein Kommentar zu dieser, leider sehr ärgerlichen, Entscheidung?

Wir sind tatsächlich ganz schön überrannt worden mit Konzertanfragen. Drei von uns spielen ja auch noch bei Gewohnheitstrinker und sind daher einer Doppelbelastung ausgesetzt und es ist schwierig da die Waage zu halten. Außerdem können wir keine neuen Songs machen, wenn wir anstatt zu proben am Arsch der Heide ein Konzert spielen. Insgesamt war das einfach zu viel 2019, daher schauen wir, dass 2020 etwas weniger wird, obwohl es total mies ist Anfragen abzusagen. Besonders scheiße ist das, weil wir eine Auswahl treffen müssen, wo wir spielen wollen und da abwägen müssen. Wegen Beruf und Familie können wir dann eh nur samstags spielen, z.T. keinen Urlaub nehmen und sind damit nach jedem Konzert komplett aufgerieben. Da macht sich im Privat- und Berufsleben bemerkbar. Daher kann ich jeden verstehen, der keinen Bock hat auf jedes scheiß Konzert zu fahren und sich stattdessen lieber zuhause alleine einen reinsäuft. Gerade freitags nach Feierabend. Anekdoten sollte man nicht so öffentlich herumposaunen! Zu The Lads enthalten wir uns mal… man muss ja nicht jedem Unsinn seine Aufmerksamkeit schenken.

Hier habt ihr nun Platz für eigene Worte, Anmerkungen, Grüße oder Küsse. Ich hoffe, das wir uns beim "Moin it's Hamburg" im Oktober 2020 mal sehen, und real kennen lernen.

Ja, auf Hamburg freuen wir uns! Auch wenn das wieder ein Todesritt aus Freiburg ist. Ich kann nur dazu ermutigen eine Band zu gründen, weil man von Leuten, die einen zumeist nicht kennen, zum Saufen eingeladen wird. Da wir für die letzte Platte zwei mal geprobt, 200 Euro für die Aufnahmen gezahlt und das alles an einem Tag hinbekommen haben, kann ich nur sagen, dass der Aufwand relativ gering ist, im Verhältnis zu den Freigetränken, die sich daraus ergeben!

Grüße aus dem Süden Valle im Namen von Brutal Bravo

Tobi Wischnewski